Als führende Institution in der Agrar- und Lebensmitteltechnologie vereint das Francisco Josephinumin Wieselburg zukunftsorientierte Ausbildung mit innovativer Forschung. Im Gespräch geben DI Martin Kerschbaumer, Direktor der HBLFA Francisco Josephinum, und Dr. Markus Gansberger, Studiengangsleiter des Bachelorstudiengangs „Agrartechnologie & Digital Farming“ in Kooperation mit der FH Wiener Neustadt, Einblicke in den Lehr- und Forschungsalltag.
Herr Kerschbaumer, das Francisco Josephinum ist eine Institution mit über 150 Jahren Geschichte. Was macht Ihre Schule besonders?
Die HBLFA Francisco Josephinum steht für eine praxisnahe Ausbildung kombiniert mit innovativer Forschung. Sie bietet vier maturaführende Ausbildungsrichtungen – Landwirtschaft, Landtechnik, Lebensmittel- & Biotechnologie sowie Informationstechnologie in der Landwirtschaft. Durch die Lehrtätigkeit unserer Forscher:innen fließen aktuelle Entwicklungen in Landwirtschaft, Landtechnik, Digitalisierung und Lebensmitteltechnologie direkt in den Unterricht ein. Der Campus mit dem historischen Schloss Weinzierl bietet eine erstklassige Infrastruktur und wird durch ein modernes Internat ergänzt, was unseren Schüler:innen ein ideales Lernumfeld schafft.
Neben der Ausbildung ist auch die Forschung ein zentraler Bestandteil. Woran wird hier gearbeitet?
Mit Josephinum Research verfügen wir über eine Forschungseinrichtung, die innovative Entwicklungen in den Bereichen Agrartechnik, Biomasse und Lebensmitteltechnologie vorantreibt. Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung und Anwendung innovativer Technologien für die Landwirtschaft, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Precision Farming, Smart Farming, Sensortechnologien, Mechatronik und Robotik. Ein besonderes Highlight ist die Innovation Farm. Hier testen und demonstrieren wir neue Technologien für die Landwirtschaft und arbeiten wir eng mit Wirtschaft und Forschungspartner:innen zusammen.

© Fachhochschule Wiener Neustadt
Herr Gansberger, Sie leiten den Bachelorstudiengang „Agrartechnologie & Digital Farming“ am Campus Francisco Josephinum in Kooperation mit der FH Wiener Neustadt. Worum geht es im Studium, und wen sprechen Sie an?
Das Studium richtet sich an Absolvent:innen landwirtschaftlicher und technischer Schulen und kombiniert Agrarwissenschaften mit Informatik, künstlicher Intelligenz, Mechatronik und Robotik. Durch die enge Kooperation mit Josephinum Research und den Flagship-Projekten Innovation Farm (www.innovationfarm.at) und AgrifoodTEF (www.agrifoodTEF.eu) erhalten Studierende praxisorientierten Zugang zu modernster Technologie. Zusätzlich ermöglicht die Zusammenarbeit mit Unternehmen maßgeschneiderte Jobangebote, wodurch Studium und Beruf optimal verknüpft werden. Dank der berufsermöglichenden Organisation sind die Studierenden von Montag bis Mittwoch an der FH, während sie an den restlichen Tagen Praxiserfahrungen in Unternehmen sammeln können.
Was versteht man unter „Digital Farming“, und welche Berufsbilder entstehen dadurch in der Landwirtschaft?
Digital Farming nutzt digitale Technologien wie Sensorik, künstliche Intelligenz, Robotik und Datenanalyse, um landwirtschaftliche Prozesse effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Die Präzisionslandwirtschaft ermöglicht es beispielsweise, Satellitendaten so zu verarbeiten, dass daraus Düngewerte berechnet und mit der entsprechenden Düngetechnik gezielt Düngemittel ausgebracht werden können. Eine unserer Anwendungen heißt TerraZo (www.terrazo.at), mit der Düngekarten für ganz Österreich generiert werden können. An den Berufsbildern ändert sich grundsätzlich nichts, aber Hybridqualifikationen sind zukunftsträchtig und gefragt. Neben Agrar-Know-how braucht es technisches Verständnis, um digitale Lösungen gezielt einzusetzen. Absolvent:innen unserer Schule und unseres Bachelorstudiums arbeiten in der Agrar- und Landtechnikindustrie, in landwirtschaftlichen Betrieben, im Service & Vertrieb oder als Agrarberater:innen. Zusätzlich eröffnen sich Möglichkeiten in der Forschung und Entwicklung sowie in der Gründung von Start-ups für innovative agrarische Technologien.